KST Institut

Vom Patienten zum Therapeuten

Dr. Alexander Wolff von Gudenberg, der Gründer der Kasseler Stottertherapie, über seinen Lebensweg und die Suche nach Lösungen, um seine Sprechflüssigkeit langfristig zu verbessern:

„Im Alter von vier Jahren begann mein Stottern mit heftigen Sprechblockaden. Sprachtherapeutische, krankengymnastische und sogar medikamentöse Behandlungsversuche blieben genauso erfolglos wie psychoanalytische und verhaltenstherapeutische Behandlungen. Obwohl massives soziales und verbales Vermeideverhalten sowie Rückzugstendenzen in diesen Jahren mein Leben bestimmten, fasste ich den Mut, Medizin zu studieren und Facharzt zu werden. Der Wunsch, mein eigenes Stottern besser zu verstehen und langfristig zu verbessern, spielte dabei eine große Rolle.

Meine Suche nach einer wirksamen Stottertherapie

Über einen Zeitraum von rund zwanzig Jahren habe ich insgesamt zwölf verschiedene Stottertherapien durchlaufen. Da es damals in Deutschland nur sehr wenige spezialisierte Therapieangebote gab, nahm ich auch an Therapien im Ausland teil – unter anderem in den USA, Australien und Israel.

Die Therapiekonzepte waren zum Teil sehr unterschiedlich aufgebaut, zum Teil haben sie sich aber auch überschneiden. Für mich war genau diese Vielfalt im Rückblick besonders wertvoll. Ich konnte aus eigener Erfahrung erleben, welche Ansätze in einer Stottertherapie hilfreich sind, wo ihre Grenzen liegen und welche Faktoren für langfristige Stabilität entscheidend sind. Diese Erfahrungen wurden später zu einer wichtigen Grundlage für die Entwicklung der Kasseler Stottertherapie.

Der erste Wendepunkt: Kontrolle über das eigene Sprechen

1987 lernte ich über die amerikanische Selbsthilfebewegung eine sprechmotorische Intensivtherapie kennen: das Precision Fluency Shaping Program (PFSP) nach Dr. Webster. Diese Therapie brachte mir erstmals eine gewisse Kontrolle über mein Sprechen. Zum ersten Mal entstand für mich die Erfahrung, dass Sprechflüssigkeit gezielt beeinflusst werden kann.

Allerdings zeigte sich auch eine wichtige Grenze dieser Therapie: Aufgrund mangelnder Nachsorge ließ sich der erreichte Erfolg nicht dauerhaft stabilisieren. Diese Erfahrung wurde später zu einer wichtigen Erkenntnis für meine eigene therapeutische Arbeit. Eine wirksame Stottertherapie muss nicht nur kurzfristige Fortschritte ermöglichen, sondern auch langfristige Stabilisierung und Transfer in den Alltag.

Forschung und Entwicklung in Jerusalem

Ein entscheidender Schritt folgte 1994 auf der Konferenz der International Fluency Association (IFA) in München. Dort lernte ich einen israelischen Entwickler einer Fluency-Shaping-Software kennen. Ich reiste daraufhin für sechs Monate nach Jerusalem und arbeitete dort in einer Arbeitsgruppe an der Hebräischen Universität. Gemeinsam übersetzten wir die Software und passten sie an die Anforderungen der deutschen Sprache an.

Dabei entwickelte ich gleichzeitig ein modifiziertes Fluency-Shaping-Konzept weiter. Durch die mehrfach weiterentwickelte Übungssoftware und das regelmäßige gemeinsame Training mit anderen Betroffenen gelang es mir schließlich, meine Sprechflüssigkeit deutlich zu verbessern und langfristig aufrechtzuerhalten.

Diese Erfahrungen wurden später zu einem wichtigen Baustein meines eigenen Therapiekonzepts.

Wie die Kasseler Stottertherapie entstand

Aus meinen Erfahrungen mit unterschiedlichen internationalen Therapien entwickelte sich nach und nach eine klare Idee. Ich begann, die wirksamsten Elemente verschiedener Stottertherapien miteinander zu kombinieren. Gleichzeitig ergänzte ich diese Ansätze um meine persönlichen Erfahrungen als Betroffener und um das Wissen, das ich im Medizinstudium erworben hatte.

So entstand Schritt für Schritt das therapeutische Fundament der Kasseler Stottertherapie.

Was aus meiner persönlichen Geschichte und meiner Motivation als Betroffener entstand, entwickelte sich zu einem modernen Konzept der Stottertherapie. Rückblickend war das ein Glücksfall, der aus meiner eigenen Suche nach Lösungen hervorgegangen ist.

Die Gründung der Kasseler Stottertherapie

1996 gründete ich schließlich die Kasseler Stottertherapie. Von Anfang an war es mir wichtig, dass dieses Therapiekonzept wissenschaftlich begleitet und regelmäßig überprüft wird. Deshalb habe ich bereits früh den Austausch mit Universitäten und wissenschaftlichen Einrichtungen gesucht. Mein Ziel war es immer, dass sich die Therapie weiterentwickelt und modernisiert. Ein stetiger Fortschritt war für mich der Schlüssel zu einer guten Therapie.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Ein wichtiger Faktor für die Entwicklung der Kasseler Stottertherapie ist außerdem die Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen.

Neben Logopäden arbeiten bei uns auch Experten aus anderen Bereichen der Sprach- und Sprechwissenschaft. Dazu gehören unter anderem Linguisten, Patholinguisten sowie Atem-, Sprech- und Stimmlehrer. Durch diese unterschiedlichen Perspektiven konnte sich das Therapiekonzept über viele Jahre hinweg kontinuierlich weiterentwickeln.

Ein modernes Therapiekonzept gegen Stottern

Heute verbindet die Kasseler Stottertherapie persönliche Erfahrung, medizinische Expertise und wissenschaftliche Forschung zu einem strukturierten Therapieprogramm für Menschen, die stottern. Seit der Gründung haben bereits mehrere tausend Betroffene an der Therapie teilgenommen. Ziel ist es, Menschen mit Stottern zu helfen, ihre Sprechflüssigkeit nachhaltig zu verbessern und mehr Sicherheit im Alltag zu gewinnen. Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Therapie bleibt dabei ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit.

Kasseler Stottertherapie – Therapie gegen Stottern – kurz zusammengefasst

Die Kasseler Stottertherapie ist ein spezialisiertes Therapieprogramm zur Behandlung von Stottern bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Sie ist eine intensiv strukturierte Stottertherapie zur nachhaltigen Verbesserung der Sprechflüssigkeit. Im Mittelpunkt steht das Training eines neuen, kontrollierten Sprechmusters („weiches Sprechen“), das zunächst intensiv eingeübt und anschließend schrittweise in den Alltag übertragen wird. Das Therapiekonzept verbindet Intensivtherapie, Einzel- und Gruppensitzungen sowie Präsenz- und Online-Therapie. Die Arbeit in altersgerechten Gruppen ermöglicht gegenseitige Unterstützung und fördert den Therapieerfolg.

Zur Unterstützung des Trainings nutzen die Teilnehmer die speziell entwickelte Übungssoftware KST Flunatic, mit der das neue Sprechmuster flexibel im Alltag geübt werden kann.

Nach der Intensivphase begleitet eine strukturierte therapeutische Nachsorge die langfristige Stabilisierung der Sprechflüssigkeit. Ergänzend können Stabilisierungstage sowie der Austausch mit ehemaligen Teilnehmern im Netzwerk „Freunde der KST e. V.“ den weiteren Fortschritt unterstützen. Die Therapie wird seit vielen Jahren wissenschaftlich begleitet und kontinuierlich weiterentwickelt.

Wenn Sie mehr über die Kasseler Stottertherapie erfahren möchten oder überlegen, ob diese Therapie für Sie oder Ihr Kind geeignet ist, nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf, wir beraten Sie persönlich und unverbindlich.

Heute bin ich froh, dass ich durchgehalten habe und eine neue und vor allem erfolgreiche Therapieform etablieren konnte

Dr. Alexander Wolff von Gudenberg, Ärztlicher Leiter der Kasseler Stottertherapie und Facharzt für Allgemeinmedizin, Stimm- und Sprachstörungen